Podcast Folge 213: Veränderung ist unvermeidbar- persönliche Weiterentwicklung eine Entscheidung

Es ist ein Phänomen, das wir in der Praxis mit Ärzt:innen und Therapeut:innen immer wieder beobachten: Zum Jahreswechsel oder an persönlichen Wendepunkten entsteht der Wunsch nach Veränderung. Wir wollen weniger Stress, mehr Zeit für die Familie oder endlich gesunde Routinen etablieren. Doch oft bleibt es bei dem frommen Wunsch: „Ich würde gerne, aber…“.

Warum fällt es uns so schwer, neue Wege zu gehen, selbst wenn der Leidensdruck hoch ist? Und warum ist Veränderung eigentlich gar nichts, wovor wir uns fürchten müssen, sondern eine biologische Konstante? In diesem Beitrag erfährst du, wie du vom passiven Erdulden des Wandels zur aktiven Gestaltung deiner Lebensqualität kommst.

Warum wir das Vertraute lieben – selbst wenn es schmerzt

Unser Gehirn ist ein Energiesparmodell, das Sicherheit liebt. Wir Menschen hängen an Gewohnheiten, weil sie berechenbar sind. Selbst wenn uns die aktuelle Situation nicht gefällt – sei es der hohe Stresspegel in der Klinik oder die eigene Erschöpfung – so kennen wir doch die „Risiken und Nebenwirkungen“ dieses Zustands.

Der Gedanke an Veränderung löst oft eine unbewusste Angst aus: „Was, wenn es noch schlimmer wird?“. Wir richten uns im Unkomfortablen ein, weil es vertraut ist. Dabei übersehen wir eine fundamentale Wahrheit:

„Du kannst Veränderung nicht verhindern. In dem Moment, wo wir sprechen, verändert sich die Luft, die wir atmen, es verändert sich jede Zelle in unserem Körper.“ – Dr. Katja Scharpf

Veränderung ist also unvermeidbar. Ob dein Arbeitsumfeld, dein Körper oder deine familiäre Situation – alles ist im Fluss. Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob sich etwas verändert, sondern in welche Richtung.

Der Unterschied zwischen Veränderung und Entscheidung

Hier liegt der Schlüssel für echte mentale und physische Gesundheit: Während Veränderung ein automatischer Prozess ist, ist persönliche Weiterentwicklung eine Entscheidung.

Viele Menschen wissen sehr genau, was sie nicht mehr wollen. Sie sagen:

  • „Ich will keine Kopfschmerzen mehr.“
  • „Ich will nicht mehr so gestresst sein.“
  • „Ich will nicht mehr so viel arbeiten.“

Das Problem dabei: Unser Gehirn tut sich schwer mit der Verneinung. Wenn der Fokus ständig auf dem Problem (dem Stress, dem Schmerz) liegt, fehlt die neurologische Ausrichtung auf die Lösung. Wir müssen lernen, das „Weg-von“ in ein „Hin-zu“ zu verwandeln.

Die Zeitreise-Methode: So gelingt die Zielsetzung

Statt vage Vorsätze zu fassen („Ich mache mehr Sport“), laden wir dich zu einem Experiment ein, das wir auch im Mentoring nutzen. Mache eine mentale Zeitreise – zum Beispiel ans Ende des Jahres 2026.

Stelle dir vor, du hast dein Ziel bereits erreicht. Frage dich nicht nur, was du haben willst, sondern wer du dann bist. Versuche, diesen Zustand zu „embodyen“ (zu verkörpern):

  • Wie fühlt es sich an, wenn du abends voller Energie nach Hause kommst?
  • Wie reagierst du auf Herausforderungen, wenn du in dir ruhst?
  • Welcher Mensch bist du geworden?

Ein Praxisbeispiel aus der Therapie

Verena Wendt berichtet von einer Klientin kurz vor der Rente, die unter enormem Stress stand. Ihr erstes Ziel war nur: „Ich will diesen Stress nicht mehr.“ Erst als sie ihre Vision änderte hin zu: „Ich möchte mein Wissen entspannt weitergeben und Verantwortung abgeben“, passierte das, was oft wie ein Wunder wirkt. Plötzlich tauchte eine Nachfolgerin auf, und die Übergabe funktionierte reibungslos.

Wenn wir den Fokus klar ausrichten, erkennen wir plötzlich Gelegenheiten („Opportunities“), die wir vorher im Tunnelblick des Stresses übersehen haben.

Typische Fragen zur persönlichen Weiterentwicklung

Warum fallen wir so oft in alte Muster zurück?

Veränderung ist wie der Mythos des Sisyphus: Wir rollen den Stein den Berg hoch, und oft rollt er wieder zurück. Das ist menschlich und normal. Neue neuronale Bahnen brauchen Wiederholung und Wachsamkeit, um zur Gewohnheit zu werden. Oft dauert dieser Prozess länger, als wir uns eingestehen wollen.

Wie hilft mir Coaching dabei?

Da wir von Natur aus dazu neigen, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen (zurück zur alten Gewohnheit), wirkt Coaching oder Mentoring wie ein Katalysator. Es hilft, Denkblockaden schneller aufzulösen und die Ausrichtung auf das „Hin-zu“-Ziel beizubehalten, wenn der Alltag dazwischenkommt.

Fazit: Werde zum Gestalter deiner Veränderung

Du kannst nicht verhindern, dass sich die Welt um dich herum, dein Team oder dein Körper verändern. Aber du kannst entscheiden, wie du mit diesen Veränderungen wächst. Nutze die kommende Zeit nicht nur für gute Vorsätze, sondern für eine klare Entscheidung: Wer willst du am Ende dieses Jahres sein?


Dein nächster Schritt:
Fühlst du dich manchmal wie im Hamsterrad und möchtest 2026 endlich wieder selbst am Steuer stehen? Wenn dich dieses Thema interessiert und du die Gedanken der Expertinnen dazu im Original hören möchtest, findest du hier den passenden Podcast.

Höre jetzt in Folge 213 von „Thinking into Health“ rein, um tiefer in die Psychologie der Veränderung einzutauchen.

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