Folge 246 Klarer führen, entspannter begleiten: Wie Coaching Verena`s Therapien bereichert hat

Kann Coaching die klassische Psychotherapie bereichern?

In dieser Folge teilt Verena ganz offen, wie die Integration von Coaching-Methoden ihre Arbeit als Psychotherapeutin nachhaltig verändert hat – für bessere Therapieerfolge und deutlich mehr eigene Gelassenheit.

Früher stand oft der Leidensdruck im Fokus, heute fragt sie konsequent nach dem Ziel. Das macht ihre Sitzungen struktureller, zielgerichteter und extrem umsetzungsfokussiert. Die Entscheidung für die Umsetzung liegt beim Patienten- wenn er nicht umsetzt, ist das auch für sie o.k.– dann endet die Begleitung schlicht früher. Wer aber bereit für Veränderung ist, findet in ihr eine verlässliche Partnerin an seiner Seite.

Als Psychotherapeutin wird man in der Ausbildung vor allem in einem klassischen Paradigma geschult: Das Verstehen der Vergangenheit, die Analyse von Symptomen und die einfühlsame Begleitung durch schwere Lebensphasen stehen im Mittelpunkt. Das ist ohne Zweifel wertvoll. Doch im Laufe ihrer Praxisjahre spürte Verena immer wieder eine feine Unruhe in sich: Reicht das reine Verstehen und Begleiten wirklich aus? Oder braucht eine wirksame Therapie nicht viel mehr Ausrichtung nach vorne?

Die Antwort darauf fand sie im Coaching. Die Integration von Coaching-Methoden hat ihre therapeutische Haltung nicht nur ergänzt – sie hat ihre gesamte Praxisarbeit verändert. Für ihre Patientinnen und Patienten bedeutet das klarere Ergebnisse; für sie selbst bedeutet es deutlich mehr Gelassenheit und Freude am Beruf.

Hier sind die zentralen Stellschrauben, die Verena`s Arbeit heute so viel fokussierter und wirksamer machen.

1. Die konsequente Frage nach dem Ziel: Von der Problemanalyse zur Umsetzung

In der klassischen Psychotherapie verbringen wir naturgemäß viel Zeit damit, das „Warum“ zu ergründen: Warum geht es mir schlecht? Woher kommt dieses Verhaltensmuster? Welche Kindheitserfahrung steckt dahinter?

Verstehen schafft Erleichterung – aber Verstehen allein verändert noch kein Verhalten. Durch den Coaching-Ansatz habe ich gelernt, von der ersten Sitzung an konsequent nach dem Ziel zu fragen:

  • „Wo genau möchtest du hin?“

  • „Woran wirst du im Alltag merken, dass unsere Arbeit erfolgreich war?“

  • „Wie sieht dein Leben aus, wenn dieses Problem gelöst ist?“

Diese glasklare Zielorientierung bringt Struktur in den Prozess. Meine Sitzungen sind dadurch extrem umsetzungsfokussiert. Wir verharren nicht in der Leidensgeschichte, sondern nutzen das Verstehen der Vergangenheit als Sprungbrett für konkrete Veränderungen in der Gegenwart.

2. Ausrichtung am Patienten: Verändern ist eine freie Entscheidung

Im Coaching gilt das Prinzip der absoluten Freiwilligkeit und Eigenverantwortung. Diese Haltung hat Verena komplett in ihre Psychotherapie übernommen.

Das bedeutet auch ganz pragmatisch: Wenn ein Patient gar nicht das Ziel hat, etwas an seiner aktuellen Situation zu verändern, dann ist das für sie vollkommen in Ordnung. Es gibt kein Überreden, kein Drängen und kein „Therapieren-Wollen“ gegen den Willen des Gegenübers.

  • Hat der Patient kein Verwendungsinteresse an Veränderung, endet die Begleitung schlicht früher.

  • Ist er jedoch bereit, den Schritt zu wagen, steht sie mit voller Energie als verlässliche Sparringspartnerin an seiner Seite.

3. Empathie ohne Mitleid: Die Kunst der Abgrenzung

Verena`s Grundhaltung in der Therapie war schon immer von Wertfreiheit und Empathie geprägt. Was sie jedoch aus dem Coaching mitgenommen habe, ist die entscheidende Unterscheidung zwischen Mitgefühl und Mitleiden.

Reine Empathie, die auf der Ebene des Mitleidens stattfindet, ist für den therapeutischen Prozess oft nicht hilfreich. Wenn wir uns als Therapeuten im Schmerz des Patienten verfangen, verlieren wir die nötige Vogelperspektive und Orientierung. Heute fühle Verena zutiefst mit ihren Patientinnen und Patienten mit, ohne mitzulaufen oder mitzulagern. Diese Form der emotionalen Abgrenzung schützt nicht nur ihre eigenen Energiereserven, sondern gibt dem Patienten auch den stabilen, sicheren Halt, den er braucht.

4. Das 100/100-Verantwortungsmodell: Befreiung vom eigenen Leistungsdruck

Eines der größten Risiken im Therapeutenberuf ist das Gefühl, für den Erfolg der Klienten verantwortlich zu sein. Stellt sich kein Fortschritt ein, neigt man zu Selbstzweifeln. Das Coaching hat Verena hier zu einer rettenden Klarheit verholfen – dem Prinzip der doppelten 100 % Verantwortung:

  • 100 % Verantwortung liegt beim Patienten: Er ist verantwortlich für seine Entschlüsse, die Umsetzung im Alltag und die Bereitschaft zur Veränderung.

  • 100 % Verantwortung liegt bei mir: Ich bin verantwortlich für die Prozessführung, die Methodenwahl, den geschützten Rahmen und eine professionelle therapeutische Arbeit.

Verena hat aufgehört, sich für den eigentlichen Therapieerfolg verantwortlich zu fühlen oder ihren eigenen Selbstwert an die Fortschritte ihrer Patienten zu koppeln. Diese klare Trennung nimmt immensen Druck heraus – und macht den Weg frei für eine echte Begegnung auf Augenhöhe.

5. Denkmuster verändern: Warum Trauma kein Schicksal ist

Eine der erfüllendsten Erfahrungen aus der Verbindung beider Welten ist die Erkenntnis: Selbst schwere historische Erfahrungen bedeuten nicht, dass jemand in alten Mustern gefangen bleiben muss.

Auch Menschen mit traumatischen Lebensgeschichten oder multiplen Bindungstraumata tragen das Potenzial in sich, die Schlussfolgerungen, die sie einst aus diesen Erfahrungen gezogen haben, neu zu bewerten. Der Kern jeder tiefgreifenden Veränderung – ob im Coaching oder in der Psychotherapie – ist die Arbeit an unseren Denkmustern.

„Wir halten für wahr, was wir für wahr halten. Unsere Gedanken erschaffen unsere gefühlte Realität. Jede Veränderung im Verhalten und in den Gefühlen beginnt immer bei einer Veränderung der Gedanken.“

Wenn es gelingt, die unbewussten Glaubenssätze und Bewertungsmuster aufzudecken und zu transformieren, verändern sich die Gefühle und das Verhalten ganz automatisch.

Fazit: Das Beste aus beiden Welten

Durch die Integration von Coaching-Ansätzen ist Verena`s Psychotherapie fokussierter, zielgerichteter und fordernder geworden – und bleibt gleichzeitig zutiefst wertschätzend, empathisch und wertfrei.

Für sie persönlich hat dieser Mix die Arbeit nachhaltig verändert: Verena hatte früher ein Burnout- nach nur einem Jahr Therapiepraxis. Heute geht sie gelassener, zufriedener und ohne unnötigen Stress durch ihren Praxisalltag. Und ihre Patienten profitieren von einer Therapie, die nicht nur versteht, sondern wirklich bewegt.

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