Podcast Folge 215: Und du denkst immer noch, du kommst klar

Und du denkst immer noch, du kommst klar? Warum „Funktionieren“ keine Strategie ist

„Wie geht es Ihnen?“ – „Och, ich komme schon klar. Ist viel los, aber es läuft.“

Kennen Sie diesen Satz? Vielleicht haben Sie ihn selbst schon oft gesagt. Dr. Katja Schaaf kennt ihn aus ihrer Zeit in der Klinik nur zu gut. Wenn Kollegen sie auf ihre offensichtliche Belastung ansprachen, war die Standardantwort: „Wieso? Ich komm doch klar, ist doch alles gut.“

Doch genau hier liegt ein gefährliches Missverständnis, das wir in unserer täglichen Arbeit mit Ärzt:innen, Therapeut:innen und Führungskräften immer wieder beobachten: Stress ist kein objektiver Fakt, sondern ein Erleben. Und dieses Erleben kann uns gewaltig täuschen.

Das Phänomen: Wenn der Stress unsichtbar wird

Das Tückische am chronischen Stress ist, dass er sich normalisiert. Wenn Sie jeden Tag auf 150 % laufen, verschiebt sich Ihre Wahrnehmung. Sie spüren den Stress nicht mehr, weil der Adrenalin- und Cortisolspiegel dauerhaft erhöht ist. Sie befinden sich in einem Funktionsmodus.

Wir erleben das häufig bei unseren DNLA-Stressanalysen. Teilnehmer sagen uns vorab: „Ich bin eigentlich gar nicht gestresst.“ Die objektiven Daten zeigen dann jedoch oft alarmierende Werte. Die Diskrepanz zwischen dem, was wir fühlen (oder weggedrückt haben), und dem, was unser Nervensystem leistet, ist oft riesig.

3 Warnsignale, dass Sie nicht mehr „klarkommen“ (auch wenn Sie es glauben)

Wenn das subjektive Stressgefühl fehlt, woran merken Sie dann, dass Sie eigentlich nur noch funktionieren? Achten Sie auf diese subtilen Zeichen im Alltag:

  • Der „Autopilot-Zuhörer“: Jemand erzählt Ihnen etwas, Sie nicken, aber gedanklich sind Sie ganz woanders. Sie filtern Informationen nicht mehr und können später nicht wiedergeben, was besprochen wurde. Die Kapazität für echte Empathie fehlt.
  • Die Prokrastination der kleinen Dinge: Sie wuppen große Projekte, aber das Beantworten einer simplen E-Mail oder das Versenden eines Zertifikats bleibt wochenlang liegen. Warum? Weil Ihr System keinen Puffer mehr für Dinge hat, die nicht überlebenswichtig sind.
  • To-Do statt Juhu: Ihr Tag ist eine reine Abarbeitungsliste. Es geht nur noch darum, Haken zu setzen. Die Freude – oder wie wir es nennen, das „Juhu-Gefühl“ – bei der Erledigung von Aufgaben ist verschwunden.

Der Überlebensmodus blockiert die Lösung

Ein Klient beschrieb seinen Zustand einmal treffend: „Ich fühle mich jeden Tag wie im Krieg.“

Wenn Sie sich physiologisch im „Kriegszustand“ (Fight-or-Flight) befinden, kann Ihr Gehirn nicht kreativ sein. Sie haben gar keine kognitiven Kapazitäten frei, um darüber nachzudenken, wie Sie Ihr Leben schöner, leichter oder gesünder gestalten könnten. Sie sind ausschließlich mit dem „Überleben“ des Tages beschäftigt.

Das Resultat: Sie arbeiten ab. Sie hamstern Aufgaben. Sie reagieren nur noch, statt zu agieren.

Raus aus dem Rödelmodus: Der erste Schritt

Vielleicht lesen Sie das gerade und denken: „Aber es geht doch nicht anders. Die Klinik, die Praxis, die Familie – das muss laufen.“

Wir möchten Sie einladen, diesen Glaubenssatz zu hinterfragen. Nur weil Sie gerade keinen anderen Weg sehen, heißt das nicht, dass er nicht existiert. Der erste Schritt ist die brutale Ehrlichkeit zu sich selbst: Will ich nur klarkommen oder will ich wirklich leben?

Es ist möglich, aus dem unbewussten Funktionsmodus auszusteigen. Wenn wir wieder lernen, Prioritäten bewusst zu setzen und Warnsignale des Körpers ernst zu nehmen, kehrt nicht nur die Energie zurück, sondern auch die Lebensfreude. Wir bei der Mind4Health Academy begleiten genau diesen Prozess – weg von der Symptombehandlung, hin zu nachhaltiger Vitalität.

Fazit: Überprüfen Sie Ihren Status Quo

Nehmen Sie sich heute fünf Minuten Zeit für eine ehrliche Reflexion:

  • Antworte ich auf Nachrichten zeitnah oder schiebe ich sie wochenlang auf?
  • Habe ich heute schon gelacht oder nur „abgehakt“?
  • Fühle ich mich selbstbestimmt oder getrieben?

Wenn Sie merken, dass Sie eher „überleben“ als leben, dann ist es Zeit für eine Veränderung. Sie müssen da nicht alleine durch.


🎙️ Podcast-Tipp:
Möchten Sie tiefer in dieses Thema eintauchen und hören, wie Dr. Katja Schaaf und Dipl.-Psych. Verena Wendt über ihre eigenen Erfahrungen mit dem „Funktionsmodus“ sprechen?

Hören Sie jetzt in die vollständige Folge 215: „Und du denkst immer noch, du kommst klar“ unseres Podcasts Thinking into Health.

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